Regulatorische Resilienz in der Prozessautomatisierung
NIS2 für sichere industrielle Prozessinfrastrukturen
Industrien der Prozessautomatisierung – etwa Chemie, Pharma, Wasserwirtschaft oder Lebensmittelproduktion – basieren auf hochvernetzten Prozessleitsystemen. Distributed Control Systems (DCS), SCADA-Systeme, Sensorik und industrielle Kommunikationsnetze steuern kontinuierliche Produktionsprozesse und sorgen für stabile Betriebsabläufe.
Mit der NIS2-Richtlinie steigen die Anforderungen an Cybersecurity, Risikomanagement und organisatorische Verantwortung deutlich. Betreiber müssen sicherstellen, dass ihre IT- und OT-Infrastrukturen gegen Cyberrisiken geschützt sind und Sicherheitsvorfälle strukturiert erkannt und gemeldet werden können.
Gerade in der Prozessindustrie ist Cybersecurity nicht nur ein IT-Thema – sie ist ein zentraler Bestandteil der Anlagen- und Betriebssicherheit.
Regulatorische Anforderungen für Betreiber von Prozessanlagen
Die NIS2-Richtlinie verpflichtet Betreiber wesentlicher Einrichtungen dazu, geeignete technische und organisatorische Maßnahmen zum Schutz ihrer Systeme umzusetzen. Dazu gehören unter anderem strukturierte Risikoanalysen, dokumentierte Sicherheitsstrategien und definierte Meldeprozesse für Sicherheitsvorfälle.
Besonders im Umfeld kontinuierlicher Produktionsprozesse stellt dies Unternehmen vor neue Herausforderungen: Anlagen müssen dauerhaft verfügbar bleiben, gleichzeitig müssen Cyberrisiken erkannt und beherrschbar sein.
Die regulatorischen Anforderungen zielen daher darauf ab, industrielle Prozessinfrastrukturen transparenter, segmentierter und widerstandsfähiger gegenüber Cyberangriffen zu machen.
Wen betrifft NIS2 in der Prozessautomatisierung?
Betroffen sind insbesondere Betreiber von:
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chemischen Produktionsanlagen
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pharmazeutischen Produktionssystemen
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Wasser- und Abwasseranlagen
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industriellen Prozessleitsystemen (DCS)
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SCADA-basierten Produktions- und Steuerungssystemen
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standortübergreifenden OT-Infrastrukturen in Prozessanlagen
Vernetzte Prozessanlagen als kritische Produktionsinfrastruktur
Prozessanlagen sind häufig über viele Jahre oder Jahrzehnte gewachsen. Unterschiedliche Generationen von Steuerungs- und Kommunikationssystemen arbeiten parallel und sind über industrielle Netzwerke miteinander verbunden.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Remote-Service, Datenanalyse und Prozessoptimierung. Diese zusätzliche Vernetzung erweitert jedoch auch die potenzielle Angriffsfläche.
Regulatorische Resilienz bedeutet deshalb, Produktionsnetze so zu gestalten, dass Störungen oder Sicherheitsvorfälle frühzeitig erkannt und kontrolliert eingegrenzt werden können – ohne den laufenden Anlagenbetrieb zu gefährden.
Technische Umsetzungsbausteine in Prozessanlagen
Eine regulatorisch belastbare Sicherheitsarchitektur in der Prozessautomatisierung umfasst typischerweise:
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klare Trennung von IT- und OT-Netzwerken
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segmentierte Netzbereiche für Prozesssteuerungen
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kontrollierte Fernzugriffe für Service und Wartung
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kontinuierliches Monitoring industrieller Kommunikationsprotokolle
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strukturierte Dokumentation von Konfigurations- und Änderungsprozessen
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langfristige Sicherheitsstrategien für industrielle Steuerungssysteme
Diese Maßnahmen schaffen die Grundlage für stabile und auditierbare Produktionsinfrastrukturen.
Unsere Technologiepartner für sichere Prozessnetzwerke
Für die Umsetzung regulatorischer Anforderungen in der Prozessautomatisierung setzen wir auf industrielle Netzwerk- und Sicherheitslösungen führender Hersteller. Ziel ist eine OT-Architektur, die Transparenz, Zugriffskontrolle und stabile industrielle Kommunikation miteinander verbindet.
OT-Transparenz und Anomalieerkennung
Rhebo
Branchensituation:
In Prozessanlagen kommunizieren DCS-Systeme, Feldgeräte, Sensorik und Steuerungen kontinuierlich miteinander. In gewachsenen Anlagenstrukturen fehlt häufig eine vollständige Übersicht über diese Kommunikationsbeziehungen.
Risiko:
Ungewöhnliche Kommunikationsmuster oder Manipulationsversuche können lange unentdeckt bleiben und im schlimmsten Fall Produktionsprozesse oder Anlagenzustände beeinflussen.
Lösung:
Durch die Analyse industrieller Kommunikationsprotokolle lassen sich Abweichungen im OT-Netzwerk frühzeitig erkennen. Betreiber erhalten Transparenz über ihre Kommunikationsstrukturen und können sicherheitsrelevante Ereignisse strukturiert dokumentieren.
Netzwerksegmentierung und Zugriffskontrolle
Belden / Hirschmann
macmon NAC
Branchensituation:
Prozessanlagen verbinden Steuerungssysteme, Leitstände, Engineering-Stationen und Wartungszugänge über industrielle Netzwerke.
Risiko:
Ohne klare Segmentierung können Störungen oder Angriffe sich schnell über mehrere Anlagenteile ausbreiten.
Lösung:
Industrielle Ethernet-Infrastrukturen in Kombination mit Network Access Control ermöglichen eine strukturierte Trennung von Prozessnetzen und IT-Systemen. Zugriffsrechte lassen sich zentral verwalten und sicherheitskritische Bereiche gezielt absichern.
Proaktive Angriffserkennung
SecXtreme – Honeypot
Branchensituation:
Angriffe auf industrielle Prozessanlagen beginnen häufig damit, dass Angreifer zunächst die Struktur des Netzwerks analysieren und vorhandene Steuerungs- und Kommunikationssysteme identifizieren.
Risiko:
Unentdeckte Angreifer können sich schrittweise in Richtung kritischer Steuerungssysteme bewegen.
Lösung:
Honeypot-Technologien erkennen solche Aktivitäten frühzeitig, indem sie Angreiferinteraktionen sichtbar machen. Dadurch können Sicherheitsverantwortliche Bedrohungen identifizieren, bevor produktive Systeme betroffen sind.
Zusätzliche Schutzebene für industrielle Prozessnetzwerke
Neben Netzwerksegmentierung und Zugriffskontrolle gewinnt auch der Schutz industrieller Kommunikationsprotokolle in der Prozessindustrie zunehmend an Bedeutung.
>> Industrial Application Firewalls ermöglichen eine gezielte Überwachung und Filterung von OT-Kommunikation und verhindern unerlaubte oder ungewöhnliche Kommunikationsmuster innerhalb industrieller Netzwerke.
Besonders in Prozessanlagen mit Prozessleitsystemen, Steuerungen und kontinuierlichen Produktionsprozessen kann eine solche Schutzebene dazu beitragen, unzulässige Kommunikationsversuche frühzeitig zu blockieren und sensible Steuerungssysteme zusätzlich abzusichern – etwa zwischen Leitsystem, Engineering-Stationen und Feldsteuerungen.
Netzwerktransparenz für industrielle Prozessanlagen
In Prozessanlagen mit kontinuierlichen Produktionsprozessen ist die Stabilität der Kommunikationsinfrastruktur entscheidend. Netzwerkmanagement-Plattformen ermöglichen eine zentrale Überwachung industrieller Switches und Netzwerkverbindungen und unterstützen Betreiber dabei, Störungen frühzeitig zu erkennen und die Verfügbarkeit der Produktionsanlagen zu sichern.
Mit Moxa MXview One lassen sich industrielle Netzwerke in Produktionsanlagen, Prozessleitsystemen und kritischen Infrastrukturen zentral überwachen, konfigurieren und diagnostizieren. Betreiber erhalten Transparenz über Switches, Netzwerksegmente und Kommunikationszustände – eine wichtige Grundlage für stabile und resiliente OT-Infrastrukturen in der Prozessindustrie.
>> Moxa MXview One – Netzwerkmanagement für industrielle OT-Infrastrukturen
Unser Ansatz
Regulatorische Anforderungen lassen sich in der Prozessautomatisierung nicht durch einzelne Sicherheitsmaßnahmen erfüllen. Entscheidend ist eine ganzheitliche Betrachtung der Netzwerkarchitektur, der Betriebsprozesse und der organisatorischen Sicherheitsstrukturen.
Wir analysieren Ihre bestehende OT-Infrastruktur, identifizieren potenzielle Risiken und entwickeln gemeinsam mit Ihnen eine Sicherheitsarchitektur, die regulatorische Anforderungen erfüllt und gleichzeitig die Stabilität Ihrer Produktionsprozesse gewährleistet.
NIS2-Readiness für Prozessanlagen prüfen
Sie möchten wissen, welche regulatorischen Anforderungen für Ihre Prozessanlage gelten und wie Ihre aktuelle OT-Architektur einzuordnen ist?
Unsere Experten unterstützen Sie bei der strukturierten Bewertung Ihrer Infrastruktur und der Entwicklung einer langfristig tragfähigen Sicherheitsstrategie.
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Ihr Kontakt:
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